Maine Coon Entwicklung Teil 2: Gute Entwicklung vs. schlechte Entwicklung

Maine Coon Entwicklung

In diesem Artikel habe ich mich der Entwicklung von Buddy und Sonny in den ersten vier Monaten nach ihrem Einzug gewidmet. Damals bin ich natürlich davon ausgegangen, dass ich beide bis ins hohe Alter bei mir haben würde… Dem war bekanntlich nicht so. Sonny ist fort.

Die Dokumentation des Gewichts der beiden hat mich allerdings schon früh in Alarmbereitschaft versetzt. Auch wenn wir gegen den Krebs trotzdem keine Chance hatten und die Diagnose zu spät kam: Sonnys Beispiel zeigt, wie wichtig es ist, die Entwicklung seiner Schützlinge regelmäßig zu checken. Denn, Spätentwickler hin oder her – ein Maine Coon Kater, der mit 12 Monaten noch bei 5 Kilo festhängt, gehört für einen Checkup zum Doc.

Und Buddy? Buddy zeigt eindrucksvoll, wie der Gewichtszuwachs eines jungen Maine Coon Buben eigentlich auszusehen hat.

Aber wirf einfach selbst einen Blick auf die neuen Daten…

Kurzer Rückblick

Buddy und Sonny als Kitten
Die Zwerge im Miniformat – müde nach Party-Overdose

Im ersten Teil habe ich die Gewichtszahlen der beiden Katerchen vom 4. bis zum 8. Lebensmonat dargestellt. Beide nahmen über diese Zeitspanne stetig zu, lagen aber durchgehend 0,5 bis 0,8 Kilo auseinander. Das war einerseits durch Sonnys Darm-Problematik und die notwendige Operation zu erklären. Andererseits können selbst eng verwandte Tiere mal in zwei verschiedene Richtungen schlagen.

Buddy gehört beispielsweise eindeutig zum Typus Bulldozer. Er wirkt insgesamt stämmig, Körper und Gliedmaße sind durchschnittlich lang und er hat eine gewisse Tendenz, in die Breite zu gehen. Sonny war schmal und hochbeinig, hatte einen eher lang gestreckten Körper und sah seiner Mutter zum Verwechseln ähnlich. Dementsprechend habe ich sein niedrigeres Gewicht auch längere Zeit toleriert… Genetik und so, dachte ich.

Entwicklung von Buddy und Sonny
Vier Monate später. Schon wieder müde.

Als der Artikel erschien, waren die Jungs 34 Wochen alt. Budd wog damals knapp 5,9 Kilogramm, Sonny 5. Alles im Rahmen.

Die weitere Gewichtsentwicklung

Achtung, Achtung, Daten-Overkill! Zur Veranschaulichung habe ich die Gewichtszahlen wieder in Diagrammen verbildlicht.

Wochenansicht

Hier siehst du das durchschnittliche Gewicht in Kilogramm abgebildet auf das Alter der Kitten in Wochen. In Wochen deshalb, weil hier sehr gut die ständigen Schwankungen auf der Waage deutlich werden. Die sind normal: Wir Menschen wiegen auch nicht immer haargenau dasselbe. Es reicht schon, wenn Miez gerade frisch von der Toilette kommt, um beim Wiegen den Anschein einer Abnahme zu erwecken.

Der leicht transparente Teil links ist der Zeitraum bis zum achten Lebensmonat, der nach dem Artikel vom November 2016 schon bekannt ist. Rot hinterlegt ist die Gewichtsspannweite, die Sonny in der darauffolgenden Zeit abdeckt: Anfangs nahm er zwar noch auf 5,3 Kilo zu, doch höher klettert sein Gewicht zu keinem Zeitpunkt. Im Gegenteil, es gibt immer wieder kleinere Einbrüche und gegen Ende sinkt die Kurve sogar leicht ab.

Nicht gut.

Gewichtsverlauf

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Buddy dagegen stagnierte zwar zwischendurch immer mal wieder (und der Woosh nach unten bei 46 Wochen kam durch eine fröhliche Runde Magen-Darm-Grippe zustande), im Schnitt geht sein Gewicht jedoch stetig nach oben. Zwischendurch wurden beide Jungs kastriert, ein Einfluss auf die Gewichtsentwicklung ließ sich jedoch nicht wahrnehmen. Erwartungsgemäß nimmt Buddy mittlerweile nicht mehr ganz so rapide zu wie in den ersten Monaten, insgesamt bringt er es allerdings von Woche 34 bis zu Woche 67 auf eine Zunahme von 1,85 Kilogramm. Gerade, während ich diesen Artikel schreibe, wiegt er 7,7 Kilo.

Das Gewicht geht absolut klar.

Monatsansicht

Beim Errechnen der durchschnittlichen Kilozahlen pro Monat werden die Schwankungen ausgebügelt und man sieht, wie hübsch Buddy noch immer zulegt. Als Baby hat er von Monat zu Monat noch Zunahmen von 0,7 bis 0,8 Kilogramm hingelegt – mittlerweile nimmt er nur noch 0,1 bis 0,2 Kilo zu. Das ist typisch: Zwar sind Maine Coons erst mit 4 bis 5 Jahren ausgewachsen, trotzdem machen sie als kleine Kitten natürlich größere Sprünge als als Halbstarke. In nächster Zeit wird die Zunahme noch langsamer werden, bis Monsieur schließlich peu a peu im Schneckentempo sein ungefähres Endgewicht erreichen wird. (Selbstverständlich kann ich ihn dann auch noch fett füttern, wenn er zehn Jahre alt ist, geplant ist in dieser Hinsicht aktuell aber nichts.)

 

Gewichtszunahme nach Monaten

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Bei Sonny zeigt sich mit anfänglichen monatlichen Zunahmen von 0,6 Kilo zunächst noch eine völlig normale Entwicklung. Ab 8 Monaten ist schließlich der Wurm drin – und ab da lief ich auch mehr und mehr schreiend im Kreis. Es ist nicht so, als müsste man bei einer derartigen Stagnation gleich vom schlimmsten ausgehen, sicher nicht – aber nach seiner Vorgeschichte litt ich ohnehin unter Paranoia. Und da war einfach dieses miese Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt.

Die Sache mit Sonny

Natürlich wurde der Rotfuchs daraufhin regelmäßig in der Tierklinik vorstellig. So wirklich zu sehen war aber nichts: Okay, er entwickelte sich nicht sonderlich gut, aber das war auch alles. Trotz der zurückliegenden Darm-OP war der Kotabsatz ohne Befund, er fraß, spielte und schmuste und wirkte nicht krank. Jegliche Tastbefunde waren unauffällig. Keine Schmerzhaftigkeit. Nichts. Grundimmunisierung vorhanden. Aus guter Zucht. Kein Verdacht auf die typischen Viruserkrankungen. Glückliches, freundliches Kätzchen. Nur ein bisschen klein.

Wir wurden mit aufbauenden Worten nach Hause geschickt und ich gab mir Mühe, das Ganze entspannt zu sehen.

Die unguten Kleinigkeiten

Nach einigen Wochen fing Sonny an, phasenweise schlechter zu fressen. Er wurde etwas ruhiger, ließ sich aber von mir unverändert jederzeit zum Spielen animieren. Anhänglich war er immer gewesen, diesbezüglich konnte ich keine Veränderung feststellen.
Was mich stutzig machte: Er spielte im Verlauf immer weniger mit seinem Bruder. Buddy hing für Party plötzlich vermehrt dem Boss und mir am Rockzipfel. Morgens gab es irgendwann kaum noch ausgedehnte Baby-Balgereien durch die komplette Bude. Und: Budd versuchte zwar regelmäßig, Sonny zum Spielen aufzufordern, insgesamt hingen die beiden aber plötzlich weniger zusammen. Sie putzten sich weiterhin gegenseitig, tobten mal für wenige Momente gemeinsam, doch so wirklich wie früher war es nicht.

Leider war das alles verdammt unspezifisch. Es gab ständig Momente, wo er plötzlich 200 Gramm Fleisch auf einmal inhalierte, mit Budd die Teppiche fliegen ließ und schlicht wie das blühende Leben wirkte. Wo alle Welt – Familie, Freunde, Züchterin und Co. – mir sagte: Komm mal runter. Alles ist gut. Siehst du doch.
Und wo ich das auch verdammt nochmal einfach glauben wollte.

Der große Knall

Das Ding mit Tieren ist: In freier Wildbahn zeigt niemand Schwäche. In der Natur überleben nur die Starken. Da sind keine pelzlosen Zweibeiner, die einen zum Arzt bringen, wenn etwas wehtut. Wenn man da rumeiert, steigen die Artgenossen einem aufs Dach, klauen einem das halbe Revier, und wenn’s blöd läuft, endet man noch als leichte Beute irgendeines Fressfeindes.
Geht es einer Katze mies, versteckt sie das also so gut sie kann.

Einen Tag vor der Euthanasie fetzte Sonny zwischendurch noch mit seinen Katerkumpeln und mir durch die Bude als wäre er Iron Man. Er knuddelte und schmuste und schnurrte. Er fraß wenig und knirschte dabei mit den Zähnen – deswegen plante ich für den folgenden Tag einen Besuch beim Doc ein. Doch mal Blutwerte checken. Irgendwie muss ihm unwohl sein.

Aber mein tapferer Rosi war noch voll da. Das war ja auch das Ding: Zwar gab es diese Momente, wo ich mir dachte, hm, läuft nicht so ganz rund mit ihm – aber im Großen und Ganzen war er fast immer voll dabei, fast immer quietschfidel, und niemand wäre auf die Idee gekommen, dass er leiden würde. Dass er plötzlich sterben würde.

Über Nacht brach sein Zustand ein. Am nächsten Tag war er völlig apathisch, seine Schleimhäute gelblich, und als im Ultraschall die ums Zehnfache vergrößerten Lymphknoten sichtbar wurden, reagierte er schon auf gar nichts mehr. Die Infusionen brachten keine Besserung. Er hatte Flüssigkeit im Bauchraum. Und als schlussendlich alle Blutwerte da waren, bekam ich eine so beschissene Prognose mitgeteilt, dass ich ihn gehen ließ.

Es riss mir das Herz aus der Brust. Ich wollte ihn unter gar keinen Umständen leiden lassen, wo ohnehin keine Rettung in Sicht war – fragte mich aber gleichzeitig, ob er in den vergangenen Wochen vielleicht schon gelitten hatte.

Und ich dachte die ganze Zeit nur: Wenn ich den verdammten Tierärzten doch nur schon zu Anfang befohlen hätte, den Kleinen auf den Kopf zu stellen, wenn ich doch nur drauf bestanden hätte, dass sie alles testen, was irgendwie geht, anstatt mir zu erzählen, dass ich mich wegen der schlechten Entwicklung nicht verrückt machen soll… Vielleicht hätten wir die Diagnose dann zu einem Zeitpunkt bekommen, wo man mit einer Chemo noch etwas hätte reißen können.

Wenn meine Katze nicht zunimmt, hat sie also Krebs…?

Nein. Nein, nein, nein.

Man neigt immer gern zu Übergeneralisierungen. Deswegen habe ich diesen Artikel auch so lange vor mir hergeschoben. Buddy und Sonny sind zwei Fälle – zwei! Aus Erfahrung kann ich dir sagen: Buddy entwickelt sich sehr gut. Sonny hat sich sehr schlecht entwickelt. So oder so kannst du von den beiden aber nicht auf die gesamte Population der Coonie-Kitten schließen.

Ich will hiermit also nicht sagen, dass du in Panik ausbrechen musst, wenn dein Kitten mal einen Monat nicht zunimmt.

Kätzinnen wiegen sowieso deutlich weniger als Kater. Vergleich die Werte deiner Lady also nicht mit denen von meiner Wuchtbrumme Buddy. Die Gewichtskurve wird ähnliche Formen in puncto Geschwindigkeit der Zunahme haben, aber die Zahlen sind allerhöchstwahrscheinlich andere – niedrigere.

Es gibt außerdem Coons aus winzigen Linien, die ihr Leben lang Leichtgewichte bleiben. Guck dir also wenn möglich die Vorfahren deines Fellträgers an! Wiegt keiner mehr als sechs, sieben Kilo, dann wird auch dein Löwe mit Normalgewicht nicht schwerer werden.

Und wenn da tatsächlich irgendein Zipperlein ist, das Miez im Weg steht, dann muss das überhaupt nichts Dramatisches sein. Denk an Würmer und Parasiten. Check die Verdauung. Guck auf die Fütterung. Vielleicht gibst du zu wenig, vielleicht das Falsche (etwa ein reines Ergänzungsfutter), vielleicht verträgt die Katze das Futter nicht und es rauscht mehr so durch, anstatt vernünftig verarbeitet zu werden. Womöglich spielt auch Stress eine Rolle. Ist die Katze ausgelastet? Kann sie entspannen? Hat sie Spielkameraden? Versteht sie sich mit ihnen?

Wenn du ein mieses Gefühl hast, nimm es ernst. Lass die Blutwerte checken, teste auf Viruserkrankungen, besteh auf eine Bildgebung, wenn du irgendetwas vermutest. Lauf nicht schreiend im Kreis. Das macht am Ende auch die Katze verrückt. Handle einfach getreu dem Motto: Lieber einmal zu viel nachgucken lassen als einmal zu wenig. Vielleicht ist es nichts. Und wenn doch, dann geht man eben dagegen vor.

Ein Positiv-Beispiel: Der Buddynator

Entwicklung Buddy
Boah ey… Elende Paparazzi!

Es kann natürlich auch alles wunderbar laufen: Budd legt eine wahre Bilderbuch-Entwicklung hin. Er wächst und gedeiht, ist fit wie ein Turnschuh, mampft fleißig und würde am liebsten den ganzen Tag Party machen. Ein bisschen Bauchspeck hat er angesetzt, aber solange er nicht zur Rumkugel mutiert, lasse ich ihm das durchgehen.

Irgendwie ist es ja auch ganz schön, wenn ein Tier unter meinem Dach mal nicht zu dünn ist.

Fazit

Ich kann dir nur raten: Schnapp dir einmal die Woche deine Katze und stell dich mit ihr auf die Waage. Zieh dein eigenes Gewicht ab. Notier das Ergebnis samt Datum.
Das gilt vor allem für Kitten, um die Entwicklung zu erfassen – aber auch bei erwachsenen Tieren sind regelmäßige Gewichtskontrollen angebracht.

Man kann nie pauschal sagen, wie ein Kitten zunehmen wird. Ich habe auch keine Vorstellung davon, welches Endgewicht Buddy anstrebt – vielleicht gibt er jetzt in jungen Jahren Vollgas, kommt am Ende aber nie über 8 oder 9 Kilo.

Gewichtskurven anderer Katzen können dir immer nur grobe Vergleichswerte bieten, dienen jedoch niemals als Orakel.
Trotzdem kommen Vergleichswerte einem manchmal ganz gelegen (mir auch, ich kenne das). Und wenn noch kein eigener Maine Coon Einzug gehalten hat, guckt man natürlich gern, was da so auf einen zukommen kann, nicht wahr?!

Budds Entwicklung wird im Blog entsprechend weiterhin verfolgt werden. Und nebenher sammle ich bereits den nächsten Datensatz: Auch Katerchen Indio legt nämlich stetig zu und will mal ein großer, starker Panther werden.

Wir werden sehen, wie er sich im Vergleich zum Buddynator schlägt!

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4 Kommentare

  1. Es ist bestimmt spannend so eine Entwicklung verfolgen zu können. Das es so saudumm gelaufen ist und Dein Bauchgefühl recht behalten sollte ist einfach nur traurig, unfair……

    Ich kann aber gut verstehen wie das ist mit dem Bauchgefühl das etwas nicht stimmt. Es ist oftmals nicht greifbar, weil alles so normal erscheint und trotzdem hat man immer wieder diesen nagenden Zweifel das es nicht paßt. Meistens liege ich damit leider richtig, wie groß auch immer das Drama dann wird das dahinter steckt.

    Menschen wie wir, die wir sehr eng mit den Tieren leben haben da offenbar eine Art Gespür dafür, auch wenn Katzen meisterhaft im vertuschen der kränkelnden Tatsachen sind.

    LG, Merle

    1. Wie wahr! Für Außenstehende sieht alles prima aus, aber man selber stolpert eben doch immer wieder über Kleinigkeiten im Verhalten, die einem so gar nicht gefallen wollen… Und am Ende ist dann in 99% der Fälle auch was dahinter. Leider…

  2. Ach je, da kommen gleich wieder Erinnerungen hoch und die Tränchen. Das mit dem „einen Tag vorher war noch alles gut“ kenne ich auch. Umso ungerechter, wenn sie eigentlich dafür vorgesehen waren in 3 Jahren den Weihnachtsbaum abzureissen und in 5 Jahren in die Badewanne zu plumpsen.

    1. Du sagst es… Der große Knall kommt dann so schlagartig, dass man regelrecht überrollt wird. Diese Gedanken, was noch alles hätte werden können, lege ich irgendwie auch nie so recht ab. Da stand noch so viel auf seiner To Do-Liste…

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